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Und es wirkt… Blended Learning in der Natur

Pfad auf Wiese mit Baum und Zaun

Und es wirkt… Blended Learning in der Natur

Dienstag, 31. März 2020. In Zeiten von Corona beschließen meine Autorenkollegin und Natur-Coach Katja Dienemann (Neue Wege fürs Ich) und ich spontan, die derzeit omnipräsente Digitalisierung auch in der Natur einmal auszuprobieren. Wir haben beide Lust darauf, etwas Neues zu testen und wollen erleben, wie es sich anfühlt, Zoom in einen Naturcoaching-Prozess zu integrieren. Kann das gehen und macht dies Sinn – eventuell auch für „die Zeit danach“?

Die Vorbereitungen – Zoom, Powerbank & heißer Tee

Katja wird mich coachen, ich bin die Test-Klientin. Am Montag machen wir eine Trockenübung und machen unsere Handys startklar für den Einsatz in der Natur. Katja hat Zoom schon installiert, ich ziehe nach. Das geht ganz unproblematisch und schon nach einigen Minuten freuen wir uns über unseren jeweils ersten abgespeicherten Kontakt in unserer Zoom-App. Auch das Ein- und Ausschalten des Videomodus klappt gut: Endlich kann ich Katja, die in Heidelberg wohnt und arbeitet, meinen Garten zeigt. Mich selber blende ich nur ungern ein, denn ich komme gerade vom Laufen und sehe noch recht wüst aus. Aber selbst das testen wir, wir sind ja unter uns. Im Anschluss schickt mir Katja noch eine Einladung mit automatischem Eintrag in meinen Kalender (iCal) inklusive Link. Da muss ich dann wohl einfach nur draufklicken und bin schon drin in unserer Onlinesession. Aber ob das wirklich so reibungslos funktioniert, werden wir dann ja sehen.

Am Nachmittag teste ich noch die Netzverfügbarkeit im Neandertal, denn dorthin plane ich, während unserer Coachingsession zu gehen. Alles prima, überall LTE. Bei 3G streikt meine Internetverbindung nämlich erfahrungsgemäß schon und ich kann selbst E-Mails nur sehr zögerlich abrufen. Also auch hier kann ich einen Haken machen.

Was gibt es aus technischer Sicht noch zu bedenken? Ach ja, mein Handy ist schon eher älteren Modells und der Akku rutscht bei niedrigen Temperaturen schnell mal von 70 Prozent auf 14 und 0. Also lade ich noch meine Powerbank und packe es zusammen mit einem Ladekabel an. Jetzt fehlt nur noch der Kopfhörer mit Mikrofon. Ein ganz wichtiges Utensil, um das mich Katja bittet. So habe ich während des Coachings die Hände frei und kann sowohl sie auf einem Ohr hören, als auch die Naturgeräusche auf dem anderen. Schließlich sind die Sinneswahrnehmungen in der Natur ein wichtiger Anteil im Coachingprozess.

Kurz bevor ich dann am Montag um 16.30 Uhr losgehe, mache ich mir noch einen heißen Tee, packe die Sonnenbrille ein und ziehe eine dicke Jacke an. Jetzt habe ich alles, denke ich… und vergesse das Sitzkissen.

Der Prozess

Wir treffen uns auf einem Baumstamm, d. h. ich sitze auf einem Baumstamm mit Blick ins eiszeitliche Wildgehege des Neandertals und betrete von hier den Zoom-Meetingraum. Ich fühle mich startklar. Das Handy hängt an der Powerbank, die gut verstaut in meiner Jackentasche ruht. Ich habe den Kopfhörerknopf im rechten Ohr, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und genieße es, etwas abseits vom Weg im Wald zu sitzen, denn vor mir ist ganz schön was los. Immer mehr Menschen scheinen in dieser außergewöhnlichen Zeit ihren Weg in die Natur zu finden – wahrscheinlich, um Ruhe, Abstand und Bewegung zu genießen.

Punkt 17.00 Uhr betritt mein Katja den Meetingraum, ich habe mich schon zwei Minuten früher eingewählt. Das hat wider Erwarten wunderbar funktioniert: Ein Klick auf den Link im Kalendereintrag und ich war drin. Wir können uns sofort hören, nur Katjas Video ist noch nicht parat. Je nach Voreinstellung muss man die Kamera nochmals separat aktivieren. Aber dann haben wir uns. Katja zeigt mir einen 360-Grad-Blick auf die Höhen rund um Heidelberg, ich gewähre ihr einen Blick auf die Wisentweide vor mir und den Wald, in dem ich sitze. Schon cool, macht Spaß.

Nachdem wir uns kurz versichert haben, dass bei uns technisch alles läuft, starten wir auch schon ins Coaching. Katja schlägt vor, die Videofunktion auszuschalten und vorerst nur den Audiomodus zu nutzen. Ja, das finde ich gut, denn jetzt geht es ja erst einmal ums Sprechen und Zuhören. Während Katja sich schon auf den Weg macht und losgeht, bleibe ich noch ein paar Minuten auf meinem schönen Baumstamm sitzen, trinke meinen Tee zu Ende und erzähle meiner Coachin von meinem Anliegen. Lustig, mein erster Impuls war, auch aufzustehen und loszugehen. Dann erst realisiere ich, dass ich das ja gar nicht muss :). Aber dann verspüre ich auch die Lust, weiter in den Wald zu gehen. Während wir miteinander reden, kommen mir immer wieder Menschen entgegen oder überholen mich von hinten. Ich merke, wie mich das nervös macht. Es fällt mir schwer, mich auf mich und unser Gespräch zu konzentrieren. Aber das wäre wahrscheinlich nicht anders, wenn wir hier real zu zweit gehen würden.

Nach einer viertel Stunde habe ich mich mehr oder weniger an den ungewohnten Rummel im Wald gewöhnt. Katja fragt mich, ob ich Lust hätte, für mein Thema etwas Ressourcenvolles, Symbolhaftes in der Natur zu finden und auch etwas Körperliches in Bewegung zu machen. Ja, das klingt gut. Aber für die Bewegung brauche ich definitiv ein ungestörteres Umfeld. So fangen wir mit den Natursymbolen an.

Just in diesem Moment fliegt eine lustige Hummel an mir vorbei und ein kleines Stück weiter hüpft ein flinkes Rotkehlchen von hier nach dort. Die beiden kann ich zwar nicht mitnehmen, aber sie kommen auf jeden Fall in meinen imaginären Ressourcenkorb. Leider sind sie auch so schnell, dass ich sie Katja nicht per Video zeigen kann, aber ich erzähle ihr davon. Noch ein Stückchen weiter stolpere ich schon fast über ein besonderes Stück Rinde, dass ich mehr unbewusst als bewusst während des Gehens aufhebe. Und dann bin ich ganz fasziniert davon und möchte es Katja zeigen. Wir schalten beide die Kamera an und sprechen über das Fundstück. Ich freue mich und es tut mir gut, dass ich diesen Moment auch visuell mit ihr teilen kann. So entsteht für mich mehr Intensität, als wenn ich es mit Worten beschrieben hätte.

Auf dem nächsten Wegstück machen wir die „So-tun-als-ob“-Übung: Ich gehe so, wie ich gehen würde, wenn ich mich in meinem gewünschten Gefühlszustand befände. Also eine innere Haltung führt zu einer äußeren. Das Video haben wir wieder ausgeschaltet, Katja begleitet mich still am anderen Ende und ich komme gut in mein eigenes Erleben. Die Natur mit den weiten Ausblicken vermittelt mir dabei ein wohltuendes Empfinden von Freiheit und Leichtigkeit – auch hieran lasse ich Katja mit einem Rundumblick teilhaben. Dann schicke ich etwas davon an meinen Schreibtisch nach Hause: Ich stelle mich in die ungefähre Himmelsrichtung und puste das Gefühl aus den halbgeöffneten Händen dorthin. Eine schöne Anleitung, die ich so noch nicht kannte.

So langsam machen wir uns beide auf den Rückweg – Katja im Odenwald, ich im Neandertal am Rande des Bergischen Landes. Zwischendurch wird die Verbindung etwas schlechter, weil Katja durch ein Bachtal geht. Aber das hält nur kurz an. Dann steht sie vor einem kleinen Bach, der sich durch den Wald schlängelt. Auch ich bin nicht weit von einem Bach entfernt und wir vereinbaren, dass wir dort gemeinsam unser Coaching beenden möchten.

Als ich bei dem Wässerchen ankomme und wir unser Video wieder einschalten, können wir es kaum glauben. Es ist, als wären wir zusammen am gleichen Ort. Selbst die Stämme, die es zu überqueren gilt, ähneln sich (das Foto links zeigt den Zoom-Screenshot – oben rechts Katjas Bach, auf dem großen Bild meiner). Auf „1,2,3“ überqueren wir balancierend das Wasser. Ich mit den Gedanken an das, was ich in den letzten 75 Minuten alles für mich und mein Anliegen erleben durfte. Katja mit dem guten Gefühl eines ersten positiven „Blended Outdoor Coachings“.

Fazit: Online-Coaching funktioniert auch in der Natur

Wir beiden ziehen das Resümee: Ein Natur-Coaching mit einer Begleitung via Video und Audio ist auf jeden Fall eine gute Alternative, wenn der persönliche Kontakt schwierig ist oder eine Anfahrt schon mal zu lange dauert. Der Mehrwert einer Videooption zu einer rein auditiven Begleitung per Telefon ist, dass man besondere Momente so intensiver gemeinsam erleben oder reflektieren kann. Und Katja möchte zukünftig mit ihren Naturcoach-Netzwerkpartnern mit dem Gruppenformat experimentieren.

Ich schreibe diesen Rückblick einen Tag nach unserem gemeinsamen Coaching und bin immer wieder von Neuem beeindruckt von der Wirkkraft der Natur. Ich fühle mich reich beschenkt (auch von Katjas Begleitung) und packe den Rucksack meiner Eindrücke nach und nach aus. So, wie Paul Watzlawick es für die Kommunikation festgehalten hat, würde ich es gerne auf die Natur übertragen: Natur kann nicht nicht wirken!

Tja, und meinen nächsten Schritt kennt Katja noch nicht. Ich werde ihr gleich eine E-Mail schicken und sie um einen Ideenkorb bitten mit positiven Wortassoziationen zu meiner Holz-Rinden-Ressource. Denn das habe ich gestern Abend schon geahnt: Ich möchte ein Motto-Ziel für mein Thema! (Was sich hinter einem Motto-Ziel verbirgt, lesen Sie hier)

Probieren Sie es aus

Für alle, die solch eine Form der professionellen Begleitung in der Natur ausprobieren möchten, bietet Katja Dienemann bis zum 30.04.2020 ein einstündiges pro bono Naturcoaching an für die ersten 20 Personen, die sich bei ihr melden.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]



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