Vier Gastbeiträge zu „Freiraum Natur in turbulenten Zeiten” | anjahume.de
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Vier Gastbeiträge zu „Freiraum Natur in turbulenten Zeiten”

Grünes Blätterdach

Vier Gastbeiträge zu „Freiraum Natur in turbulenten Zeiten”

In den letzten Wochen und Monaten waren wir auf vielen Ebenen sehr eingeschränkt und der private wie berufliche Alltag hat sich für uns beträchtlich geändert. Vieles war und ist teilweise immer noch nicht möglich oder nur unter Einhaltung zahlreicher Regeln erlaubt. Was in diesen Zeiten schön und spannend zu beobachten ist: ich habe so viele Menschen in der Natur gesehen wie noch nie. Mit einigen habe ich darüber gesprochen und die meisten von ihnen haben vor allem eines für sich (wieder-)entdeckt: Freiheit, Stille und eine Kraftquelle für die Bewältigung der oft als bedrückend erlebten Situation.

Das hat mich auf die Idee gebracht, die Leser*innen meines Newsletters konkret nach ihren Erfahrungen in und mit der Natur zu fragen. Über die Antworten habe ich mich sehr gefreut und darf sie hier für alle Interessierten veröffentlichen:

Staunen über die kleinen Wunder: Abschalten und mehr Leichtigkeit im Alltag

(Von Svenja) Während der Corona-Zeit habe ich vor allem die Entschleunigung, die bei mir in dieser Zeit eingetreten ist, auf meinen Spaziergängen gemerkt. Waren diese Spaziergänge vorher oft nur Mittel zum Zweck – nämlich meinen Hund auszuführen –, wurden sie mehr und mehr zu Entdecker-Touren. Eine große Heuschrecke, eine Entenfamilie oder eine schöne Blume brachten mich plötzlich zum Staunen und Innehalten. Mein inneres Kind kam zum Vorschein, das die kleinen Wunder der Natur sieht und sich darüber freut. Am verblüffendsten war für mich der Biberbau, der an einer Stelle auftauchte, an der ich zuvor schon so oft vorbei gekommen war, der jedoch bisher von mir unentdeckt sein Dasein fristete. Aber auch die unterschiedlichen Stimmen der Vögel, das Kreisen der Mäusebussarde über dem Feld oder das Rascheln des Windes in den Baumwipfeln nehme ich jetzt viel intensiver und bewusster wahr und genieße diese Geschenke der Natur. Und auch Gerüche, wie zum Beispiel der Duft der zahlreichen Kamille-Blüten am Feldrand, fallen mir nun auf. Meine Sinne scheinen sich geöffnet zu haben, gleichzeitig ist mein Kopf mit all seinen Gedanken stiller geworden.

Dies alles lässt mich an meine Kindheit denken, in der ich meinen Vater oft gefragt habe, wie dies und jenes heißt, welches Tier das ist oder warum ein Regenbogen entsteht, wenn Sonne und Regen gleichzeitig erscheinen; in der ich mir noch nicht so viele Gedanken über Verpflichtungen und Zeitdruck machen musste; in der die Dinge um mich herum noch nicht so selbstverständlich waren. Durch das Wieder-Entdecken der kleinen und großen Wunder, die die Natur zu bieten hat, fühle ich mich jetzt wieder verbundener mit meinem inneren Kind, freue mich wieder leichter über Kleinigkeiten, die ich vorher nicht einmal gesehen habe und empfinde viel Dankbarkeit für das, was da ist und jedem von uns kostenlos zur Verfügung steht – die Natur. Und auch wenn die Verpflichtungen und der Zeitdruck wieder mehr geworden sind und das Leben langsam wieder seinen alten Gang nimmt, schaffe ich es, mir meine Neugier und mein Stauen über solche kleinen Wunder zu erhalten. Das hilft mir beim Abschalten und lässt mich doch so manches leichter nehmen als zuvor.

P.S.: Kürzlich habe ich sogar im Regen getanzt. Der erste Gedanke war: „Hoffentlich sieht mich jetzt keiner.“ Doch dann sah ich meinen Hund, der vor mir stand und mit dem Schwanz wedelte. Da konnte ich loslassen und den Moment genießen. Hinterher kam ich zwar nass, aber sehr glücklich und voller Leichtigkeit im Herzen nach Hause. Wie früher nach dem Pfützen-Springen 🙂

Mit Stille und weiten Horizonten zuversichtlich in die Zukunft

(Von Christina) Schon immer habe ich es geliebt, mich in der Natur zu bewegen. Die Natur bewertet nicht. Sie gibt mir den Freiraum, mich zu entfalten, zu befreien und aufzutanken. Dafür schätze ich die Natur sehr und bin dankbar, dass es sie gibt!

In der Coronazeit hatte ich fast täglich Naturerlebnisse. Mehr denn je habe ich diese Oase der Stille und Ruhe gesucht. Bei einem Spaziergang am Rhein, einer Wanderung im Wald oder einer Auszeit am Rheinufer – einfach nur dem Wasser lauschen.

Mein schönstes Naturerlebnis in dieser aktuellen Zeit hatte ich an der Nordsee. Die unendlich langen Strandspaziergänge an der Küste – verwöhnt von der Sonne und dem Wind – haben mir unglaublich gut getan. Das Meer hat mich regelrecht von all den Sorgen aus den letzten Wochen befreit! Danke Meer! Jetzt gehe ich zuversichtlich und wachsam in die Zukunft!

Auf Entdeckungsreisen im Mikrokosmos des Gartens

(von Heike) Die Welt im Kleinen zu entdecken, ist schon seit langem meine Lieblingsbeschäftigung. Wenn ich im Garten, am Rhein, im Wald, in den Weinbergen unterwegs bin, dann schaue ich ganz genau hin und entdecke neue Welten: zum Beispiel viele Mäuse, die emsig ihr Futter suchen und finden. Oder ich höre Vögelgezwitscher, das ich manchmal nicht sofort zuordnen kann und dann suche ich bewusst nach der Quelle des Konzerts. So habe ich zum Beispiel die große Freude gehabt, Anfang April einen Pirol zu hören. Und ich beobachte im Garten all die vielen Flug-Insekten, die meine Blumen ansteuern, um sich satt zu essen. In meinem Garten fliegt auch die Blaue Holzbiene, die mich beim ersten Mal ganz schön erschreckt hat, weil sie so groß ist und blaue Flügel hat. Und seit einigen Tagen kommt regelmäßig das Taubenschwänzchen an den Lavendel.

Manchmal sitze ich früh morgens in meinem Garten, mit einem ersten Tee, und beobachte den Vogelfutterplatz! Wer da alles hinkommt: Grünfink, Mönchsgrasmücke, Distelfinken, Amseln, Stare, Kohlmeisen, Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Tannenmeisen, Girlitz, Haussperling, Dohlen, Tauben und sogar ein paar Enten (die ich dann aber weggescheucht habe, weil sie wiederum die kleineren Vögel verängstigten). Und dann sind da ja auch noch die Igel, die seit Mitte April regelmäßig zu mir in den Garten kommen, weil sie dort immer frisches Wasser und gutes Futter vorfinden. Wenn ich verreist bin, kümmern sich Nachbarn darum. Bei mir im Garten ist ein Hotspot für Tiere!

Auf meinen Wegen denke ich, alle Lebewesen sind ständig auf Reisen. Da wir ja lange nicht wegfahren konnten, habe ich die Spaziergänge und Beobachtungen zu meinen ganz persönlichen Reiserlebnissen gestaltet. Ein wunderbares Buch hat mich dazu inspiriert: Alphonse Karr, Reise um meinen Garten. Wenn ich davon leben könnte, würde ich nur noch in der Form arbeiten! Schon wenn ich das schreibe, zaubern mir die Erinnerungen und Erlebnisse wieder ein Lächeln ins Gesicht. Staunen und das Kleine im Großen zu entdecken passt auch sehr gut zu meinem Motto-Ziel. Es macht mich glücklich und leicht.

 

Freude an der lebendigen Vielfalt

(von Bernadette) Wir besitzen den Luxus eines eigenen Hauses mit Grundstück und haben uns in Zeiten von Corona Gedanken über den Umgang mit Natur und Tieren gemacht. So entstand ein Hochbeet, größere Flächen mit Wildblumen und mehreren Nistkästen für Meisen, Spatzen und andere Vögel. Es ist eine Freude zu sehen, wieviel Leben plötzlich in unserem neuen Garten ist.

Außerdem hat mein Mann endlich einen Weg in den Stressabbau gefunden, indem er ganz still an der Blumenwiese sitzt und dem Treiben der Insekten zuschaut.

Das Bewusstsein ist gewachsen für das, was eigentlich wichtig und immens schützenswert ist.

 

Vielen Dank für die einfühlsamen Beschreibungen und die Einblicke in eure ganz persönlichen Erfahrungen in und mit der Natur!

 

Fotos:
Manfred Richter auf Pixabay (Meer)
Alexas_Fotos auf Pixabay (Igel)
Holger Langmaier auf Pixabay (Garten)