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Gehmeditation als Weg zur Achtsamkeit

Zwei Menschen gehen am Strand - Gehmeditation

Gehmeditation als Weg zur Achtsamkeit

Thich Nhat Hanh ist ein vietnamesischer buddhistischer Mönch, Dichter, Gelehrter, Friedensaktivist, Meditations-Meister und Autor von über 75 Büchern. Im Zentrum all seiner Lehren steht die wesentliche Bedeutung der Achtsamkeit und wie ein achtsames Leben nicht nur zu persönlichem inneren Frieden und Ruhe, sondern auch zu tiefgreifenden kulturellen Veränderungen führen kann. In einem Interview bringt er auf den Punkt, was unsere Menschheit gerade jetzt so dringend braucht und wie Geh-Meditation ein Beitrag jedes Einzelnen dazu sein kann:

Bewusstes Gehen ist Leben

„Viele Menschen sind der Meinung, wir würden gehen, um irgendwo hinzukommen. Aber das Gehen selbst ist das Leben. Wenn du nicht in der Lage bist, in Frieden und mit Freude zu gehen, dann hast du die Zeit, in der du gehst, weggegeben, denn die Zeit des Gehens ist die Zeit des Lebens. Und diese Lebenszeit will ich nicht verlieren. Ich will als freier Mensch, als froher Mensch gehen.

Ich will von hier nach da gehen, um eine Blume zu betrachten. Die Blume zu betrachten ist natürlich meine Absicht, es wird mir Freude machen. Aber das Gehen von hier nach da ist ebenso das Leben und ich muss fähig sein, jeden meiner Schritte zu genießen. Du kannst das eine nicht für das andere aufgeben, denn beide sind das Leben.

Aus diesem Grund ist die Geh-Meditation zu einer Lebensart für mich geworden. Jeder Schritt, den ich mache, muss Frieden und Freude mit sich bringen. Deshalb würde ich auch alles tun, um mir meine Praxis der Geh-Meditation zu erhalten. Wenn ich zum Flughafen muss, lasse ich mir genügend Zeit, so dass ich mich entspannt auf den Weg machen kann und am Flughafen nicht beeilen muss. Mir bleibt noch Zeit zu praktizieren und am Flughafen kann ich jeden Schritt genießen.

Jeder kann Botschafter der Achtsamkeit sein

Du musst entschlossen sein und dein eigenes Leben entsprechend organisieren, du musst der Versuchung widerstehen, dich zu verlieren. Und wenn du ein Schriftsteller, ein Filmemacher, ein Künstler, ein Lehrer bist (eig. Anm.: und du und ich), kannst du daran mitwirken, dass die Menschen zu dieser Art von Achtsamkeit finden und darin zusammenkommen. Auf diese Weise kann sich das Denken der Menschen, kann unsere Kultur sich verändern.

Denn die Menschen in unserer Kultur sind nicht wirklich lebendig; stets wollen sie Vorsorge für ihr Leben treffen, sind aber nicht in der Lage, ihr Leben wahrhaftig zu leben. Sie sind ständig auf Trab, sie denken immer an die Zukunft, sie sind außerstande, innezuhalten und sich im gegenwärtigen Moment zu verwurzeln und ihr Leben in jedem Moment auf tiefe Weise zu erleben. Wenn du deinen Tee trinkst, trink deinen Tee auf eine Art und Weise, die dich froh und glücklich macht. Wenn du dein Mittagessen isst, iss auf eine Art und Weise, die dich zum glücklichsten Menschen werden lässt. Wenn du am Flughafen bist, geh auf eine Art und Weise, die bezeugt, dass du glücklich bist, dass du entspannt bist, dass du lebendig bist. Das muss sich auf jede Aktivität in deinem Alltag und auf jeden Moment beziehen.

Transformation unserer Gesellschaft – lasst uns Erfolg neu definieren

Ich glaube, es ist notwendig, die derzeitig vorherrschende Tendenz umzukehren und einen neuen Lebensstil zu erschaffen, eine Revolution. Wir müssen unsere Fähigkeit zum Glück wieder herstellen, wieder glücklich sein. Die Menschen in unserer Zeit leiden erheblich, der Erfolg gilt als das höchste Lebensziel. Wenn wir stattdessen das Verständnis von Erfolg mit einem glücklichen, friedvollen, entspannten Leben gleichsetzen, bietet sich die Chance für eine alles umfassende Transformation.“

Thich Nhat Hanh (2006)